Emotionale Entwicklung

Was ist emotionale Entwicklung?

Kurz gesagt: Die emotionale Entwicklung eines Menschen besteht in der Entwicklung von Fähigkeiten zur Freischaltung der Potenziale, die den vier unterschiedlichen Bewegtheiten Wut, Angst, Traurigkeit und Freude innewohnen. Gleichzeitig bedarf es eines Lernens von Fähigkeiten zur Entschärfung auch der Gefahren, die aus der jeweiligen Bewegtheit erwachsen. Grundsätzlich muss man zwischen drei Fähigkeiten unterscheiden, die der Entwicklung bedürfen:

1. die Entwicklung der körperlichen Reaktionsfähigkeit (von Freude, Traurigkeit, Wut und Angst),

2. das Wahrnehmungsvermögen der jeweiligen körperlichen Reaktion und

3. die Fähigkeit die körperliche Reaktion zu beeinflussen und sein Verhalten gezielt zu steuern.

Die Entwicklung vollzieht sich nicht von selbst, sondern bedarf der Förderung durch möglichst wohlwollende und verständnisvolle Bezugspersonen. Die Entwicklung ist nie abgeschlossen aber natürlich ist die Kindheit wegweisend.

Um ein vertieftes Verständnis für emotionale Entwicklung zu bekommen, ist der Gebrauch der Metapher von Reiter und Pferd sehr hilfreich. Der Reiter repräsentiert unser Denken, unser Bewußtsein, unsere Wahrnehmung/Selbstwahrnehmung. Das Pferd steht für unseren Körper selbst.

Wir Menschen haben die außerordentliche Fähigkeit, uns selbst als Organismus wahrzunehmen. Wenn wir in unseren Körper hineinhorchen, so erfassen wir den Zustand unserer Muskeln, unsere Atmung, unseren Herzschlag, usw.. Wir sind also wie die Reiter eines Pferdes, und wir sind auch selbst dieses Pferd. Grundsätzlich kann man, dieser Metapher folgend, zwischen einer Entwicklung des Pferdes und einer Entwicklung des Reiters unterscheiden.

Zum Einen ist es erforderlich, dass sich der körperliche Zustand von Freude, Angst, Wut und Traurigkeit als reaktionsfähiges Gesamtsystem etabliert und damit eine körperliche Reaktion überhaupt ausgelöst werden kann (Pferd-Fähigkeiten), und zum Anderen ist es erforderlich, diese Reaktion des Körpers in Muskeln, Herzschlag, Gestus und Habitus zu kennen, wahrzunehmen und möglichst gut beeinflussen und nutzen zu können (Reiter-Fähigkeiten). Das heißt z.b. bezüglich der Ausbildung von Freude, dass diese in einer gesamtkörperlichen Reaktion besteht die der Entwicklung bedarf. Sie wird gefördert durch Bezugspersonen, die die Freude des Kindes in allen Aspekten begrüßen und auch ein komplexes Vorbild in Freude bieten. Die Wahrnehmung der Freude erfordert ein komplexes Lernen, worin Freude besteht und dies z.b. in dem motorischen Reaktionsbild oder in den Aspekten, wie Denken und Wahrnehmen durch den körperlichen Zustand der  Freude erweitert werden.

Die vier Emotionen Freude, Traurigkeit, Wut und Angst decken die vier grundlegenden körperliche Zustände ab, die jeder für sich die Grundlage aller Fähigkeiten und Gestimmtheiten darstellt, die wir Menschen zwischenmenschlich und allgemein im Umgang mit der Umwelt entwickeln können. Entwickelte Emotionen ermöglichen uns zum Beispiel Sensibilität(Angst), Robustheit(Wut), Härte(Wut), Weichheit(Traurigkeit), Leichtigkeit(Freude), Offenheit(Freude) oder auch notwendige Verschlossenheit(Angst). Gleichzeitig bedarf es einer Kenntnis der Gefahren jeder einzelnen Emotion, um diese zu entschärfen. So gilt es z.B., sich von der Traurigkeit nicht in Rückzug und Passivität hinein bewegen zu lassen, oder darauf Acht zu geben, dass man aus der wütenden Bewegtheit heraus nicht Beziehungen in Frage stellt oder eine zu große Distanz aufbaut. Beides zusammengenommen – Entwicklung des Potenzials und Entschärfung der Gefahren der Emotionen – kann als emotionale Kultivierung bezeichnet werden. Wir können Einfluss auf unseren körperlichen Zustand nehmen. Um einen gezielteren Einfluss in Richtung Freude, Traurigkeit, Wut oder Angst zu nehmen, ist es aber erforderlich, dass wir uns mit den Formen unserer emotionalen Bewegtheit sehr gut auskennen. Für einen weiteren Überblick, hier ein Erklärungsvideo: Link zum Erklärungsvideo

Fundierung, Beleg und umfassende Ausführung hier gemachter Andeutungen ist das 900 Seiten umfassende revolutionäre Buch „Die Ent-Negativierung des Menschen“.

Ein Kind ist mit seinem Organismus und seinen Regungen von Wut, Angst, Traurigkeit und Freude nicht vertraut. Erst, wenn es lernt, sich selbst und andere mit diesen Emotionen wahrzunehmen und außerdem zu verstehen, was damit jeweils ausgelöst und bewirkt wird, kann es immer besser mit sich selbst und anderen umgehen.

Diese Bezugsperson des Kindes (der Mann vor dem Pferd) geht auf die Regungen des Organismus des Kindes ein und begegnet diesen im besten Fall mit Verständnis und Akzeptanz. Mit zunehmendem Alter erlernen angeleitete Kinder die Regulation ihrer Emotionen bzw. den Umgang mit ihrem „Pferd“.

Wenn Menschen nicht in ihrer emotionalen Entwicklung gefördert wurden, so ist es Ihnen kaum möglich, ihre körperliche Bewegtheit wahrzunehmen, und das verunmöglicht entsprechend auch einen erfolgreichen Umgang damit.