Emotionale Entwicklung

Was können wir fühlen – meine Gefühlstheorie

Das was wir fühlen können, bewegt sich in grundlegenden körperlichen Kategorien und diese werden im Wesentlichen bestimmt durch unsere Muskeln, die angespannt oder entspannt sein können, durch den Herzschlag, der beschleunigt oder ruhig ist und durch unsere Atmung, die tief oder flach ist. Noch als wichtig genannt werden kann das Bauchgefühl, das – ebenso wie die Empfindung aller anderen Organe – im Wesentlichen durch die Veränderung von Muskelzuständen entsteht.

Aus der Begrenztheit der unterschiedlichen Möglichkeiten der Körperzustände (angespannt/entspannt, ruhig/unruhig, weit/eng) ergibt es sich, dass es nur die grundlegenden vier Emotionen Wut, Angst, Freude und Traurigkeit gibt. Diese bewegen uns in jeweils sehr spezifischer Weise, und jede dieser vier Emotionen weist ihr eigenes Körperprofil auf. Daneben gibt es noch die Zustände von Abscheu, Ekel und Überraschung, die uns aber weit weniger grundlegend bewegen und auch weniger bedeutsam sind. Darüber hinaus können wir noch Schmerz, Müdigkeit, Hunger und Durst empfinden, etwas schmecken, Berührungen wahrnehmen und auch sexuelle Erregung fühlen. Die vier entscheidenden Verhaltensaktivatoren, die wir auch spüren können, sind jedoch die genannten vier Emotionen. Im Unterschied z. B. zum Schmerz finden die vier Basisemotionen ganzkörperlich statt, das heißt, dass bei diesen sowohl Muskeln, Herz und Atmung betroffen sind und auch die Wahrnehmung verändert wird. Auch sexuelle Erregung und Müdigkeit bringen eine ganzkörperliche Zustandsveränderung mit sich, jedoch sind diese beiden mitnichten so allgegenwärtig und spezifisch verhaltensbestimmend wie Wut, Angst, Freude und Traurigkeit.

Diese vier grundlegenden Bewegtheiten (Emotionen) sind der körperliche Grundbaustein alle „Gefühle“. Da zu der körperlichen Bewegtheit noch unser Denk- und Wahrnehmungsvermögen hinzukommt, kommt es zu einer scheinbaren Vielfalt unseres Fühlens. Dieser Eindrück trügt denn in Wahrheit ist die körperliche Basis unseres Fühlens sehr überschaubar.

Gefühle = körperliche Bewegtheit (eine der vier Emotionen) + Denken (vergleichen, wahrnehmen, vorstellen, allgemein Informationen verarbeiten)

Beispiele:
Neid =  Wut oder Traurigkeit vor dem Hintergrund von sozialem Vergleich
Stolz = Freude am Erfolg nach längerem und größerem Aufwand und in einem Vergleich mit anderen
Erschrecken = Angst im Zusammenhang mit eventuell bedrohlicher Neuinformation
Trauer = Traurigkeit im Zusammenhang mit Tod oder Abschied
Wehmut= Traurigkeit im Zusammenhang, etwas Schönes der Vergangenheit zu erinnern
Gewalt
= unverankerte Wut plus eine Überzeugung, dieser Bewegtheit die Zügel zu lassen, weil jemand diese Bestrafung auch verdient habe. (unverankerte Wut bedeutet unter anderem, dass jemand nicht weiß, wie sehr die Wut die Wahrnehmung und die Beurteilung verändert und extremisiert)
Unsicherheit= Angst im Zusammenhang damit, dass jemand meint, zu wenig Kontrolle oder Information zu haben, um eine Aufgabe erfolgreich bewältigen zu können
Glück= umfassende Freude, weil wesentliche Lebensaspekte erfüllend und befriedigend gegeben sind, so vor allem der Aspekt intensiver zwischenmenschlicher Bezugnahme
usw.

Diese von mir entwickelte Gefühlstheorie habe ich in meinem Buch ausführlich erläutert, logisch hergeleitet und auch auf vielfältige Weise bewiesen. Die Konsequenzen dieser Theorie betreffen jeden Menschen, da sie das bisherige Verständnis grundlegend erschüttern. Ausgehend von dieser Theorie wird verständlich, was emotionale Entwicklung ist, was die Psyche ist, wie der Charakter eines Menschen entsteht, worin psychische Störung liegt, was die Würde des Menschen ist, wodurch Gefühlsfreiheit und Gefühlsregulation möglich wird, worin Glück liegt, wie Gewalt entsteht, worin die Identität des Menschen besteht und wie sie entsteht usw…

Das ganzkörperliche Profil der jeweiligen Bewegtheit (Emotion) erzeugt eine spezifische Qualität, die das Verhalten, Denken und Wahrnehmen eines Menschen in eine ganz bestimmte Richtung auslenkt. Wenn wir diese Qualität wahrnehmen, so können wir dem gesamtkörperlichen Zustand zuschreiben, daß wir uns „leicht“, „schwer“, „groß“, „klein“, „eng“, „weit“ usw. fühlen. In der folgenden Grafik wird dies bildlich veranschaulicht.